
Konzeption zur Sanierung von
Unternehmen
in der Krise
Die zunehmende Globalisierung der Absatz- und
Beschaffungsmärkte
hat den Ausgleich der Wettbewerbsunterschiede zwischen Märkten und
Unternehmen so stark beschleunigt, daß kein Unternehmen mehr
darauf
vertrauen kann, es werde von den internationalen Einflüssen
verschont.
Der Ausgleich von Wettbewerbsunterschieden ist vergleichbar mit den aus
der Physik bekannten kommunizierenden Röhren. Während jedoch
früher die Fließgeschwindigkeit zwischen den internationalen
Märkten relativ niedrig war und damit ein Ausgleich nur langsam
oder
gar nicht erfolgte, ist heute bei stark verbesserten
Kommunikationsmitteln
und vielfältigen und schnellen Transportmöglichkeiten jedes
Produkt
und jede Leistung international schnell verfügbar. Auch die
Sprache
ist kein Hindernis mehr. Englisch ist in jedem Land, das am
Wirtschaftsgeschehen
teilhaben will, das akzeptierte und vorausgesetzte
Verständigungsmedium.
Dieses hat dazu geführt, daß
Unternehmen,
die sich auf diese Situation nicht rechtzeitig eingestellt haben,
abgehängt
werden und damit sukzessive, bisweilen ohne es gleich zu merken, das
bilanzielle
Gleichgewicht verlieren. Dieses kann schleichend erfolgen oder,
vergleichbar
mit dem Segelsport, aufgrund einer Windbö auch plötzlich.
Sind
noch genügend Vermögenswerte da, kann eine Windbö
abgewettert
werden, ist das nicht der Fall, kentert man gleich.
Wann befindet sich ein Unternehmen in der
Krise?
Diese Frage kann mit einem Satz beantwortet
werden.
Ein
Unternehmen befindet sich bereits dann in einer kritischen Situation,
wenn
es Einflüssen nicht mehr begegnet oder begegnen kann, die es aus
dem
bilanziellen Gleichgewicht werfen. Die Situation der
Überschuldung
neben der Zahlungsunfähigkeit als Konkursgrund hat daher auch eine
prinzipielle Berechtigung, jedoch muß nicht jedes Schiff, das
gekentert
ist, auch gleich verschrottet werden. Kleine schnelle Jollen richtet
eine
gute Besatzung innerhalb kurzer Zeit auch selbst wieder auf,
große
Schiffe brauchen, sofern sie nicht versunken sind, in der Regel externe
Hilfe. Dieses ist bei Unternehmen nicht anders und hat in der neuen
Insolvenzordnung
eine gewisse Berücksichtigung gefunden. Ein Unternehmen mit all
seinen
Chancen, Beziehungen und volkswirtschaftlichen Beiträgen neu
aufzubauen,
ist erheblich schwieriger und teurer, als ein bestehendes Unternehmen
durch
externe Hilfestellung zu erhalten, vorausgesetzt, es hat eine Chance am
Markt.
Was wirft ein Unternehmen aus dem Gleichgewicht?
Hierzu braucht man nur die Bilanzpositionen eines aktiven Unternehmens
zu durchdenken und erhält einen sehr umfangreichen Katalog. Die
Bilanz
spiegelt dabei die Vermögensstruktur oder statische Struktur, die
GuV die Geschäftsprozeß- oder dynamische Struktur wider.
Aktivseite der Bilanz
- überhöhte immaterielle
Wirtschaftsgüter:
Kasse wurde verwendet, um Lizenzen, Software oder andere Rechte zu
erwerben;
wurde hier mehr getan, als es zur Erzielung von wirtschaftlichem
Mehrwert
erforderlich ist, wurde Kapital in falschen Gütern gebunden; es
steht
für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung, außerdem
hohe
Abschreibungen - Managementfehler
- überhöhte Sachanlagen: meistens
aufgrund technischer
Verliebtheit und aufgrund eines vordergründigen Besitzstolzes
werden
Sachanlagen angeschafft, die überdimensioniert oder technisch
für
die Werterstellung nicht erforderlich sind. Es wird vergessen,
daß
die Mittelbindung in derartige Sachanlagen nicht oder nur mit hohem
Verlust
wieder flüssig gemacht werden kann. Außerdem belasten ggfs.
zu hohe Abschreibungen die Kalkulation. Das Gegenstück ist die
fehlende
Investition zur Aufrechterhaltung und Verbesserung des
Wertschöpfungsprozesses.
Beides sind Managementfehler.
- Kapitalbindung in Beteiligungen mit der
Begründung
"strategische" Allianzen eingehen zu müssen, ohne auf die
Ertragskraft
der Beteiligung zu achten. Derartige Bindungen in Finanzanlagen
unterliegen
oft modischen Trends und Einflüssen von außen. Ein Beipiel
in
der jüngeren Vergangenheit war der modische Trend, unbedingt ein
joint
venture in der Volksrepublik China eingehen zu müssen. Wer nicht
in
Asien war, war out. Ein anderer Grund für derartige Beteiligungen
kann die Forderung von Kunden im Projektgeschäft sein, sich als
Lieferant
finanziell an einer Projektgesellschaft zu beteiligen. Sehr häufig
wird nicht beachtet, daß das Führen von
Tochtergesellschaften
oder die Kooperation in joint ventures Beteiligungs-Know-How
voraussetzt
und erhebliche Managementkapazität bindet, insbesondere wenn die
Tochtergesellschaft
sich auch noch im Ausland befindet und einer dem Management fremden
Gesetzgebung
und Kultur unterliegt. Dieses heißt nicht, daß solche
Verbindungen
nicht sehr sinnvoll sein können, jedoch sind die
dazugehörigen
Maßnahmen vollständig zu ermitteln und hinsichtlich Zeit,
Kosten
und Risken zu bewerten. Gesellschafter-/Managementfehler
- Kapitalbindung in RHB-Stoffen und Aufbau von
Lägern.
Umfangreiche Läger sind heutzutage nur noch dann sinnvoll, wenn
der
schnelle Nachschub nicht sichergestellt werden kann. Dieses dürfte
inzwischen jedoch die Ausnahme sein. Die Sicherstellung einer schnellen
Versorgung mit Material oder Dienstleistungen ist abhängig von dem
Geschick und der Schnelligkeit des Einkaufs. Die Zeit, in der man froh
sein konnte, eine Ware zu bekommen, ist in den alten Bundesländern
schon lange, in den neuen Bundesländern zumindest seit der Wende
vorüber.
Einkäufer müssen sich als ständige Pfadfinder für
neue
Quellen betätigen. Das Anlegen von Lägern führt nur zu
unnötigen
Zeitpuffern für die Beschaffungsseite und bindet Kapital. Managementfehler;
Einkaufsträgheit und -unerfahrenheit; Angst vor internationalen
Kontakten.
- Kapitalgewährung an Kunden durch ein zu
langsames
und zu rücksichtsvolles Eintreiben von fälligen Forderungen.
Das Geschäft, Kapital zu gewähren, sollte den
Kreditinstituten
überlassen werden. Es ist ihr Produkt. Wer eine Ware oder
Dienstleistung
bestellt, muß sicherstellen, daß sie auch bezahlt werden
kann.
Alle Hilfestellungen für den Kunden durch Gewährung von
Lieferantenkrediten
führen bei diesem entweder zu einem Mitnahmeeffekt, wenn der
Kredit
kostenlos oder billig gewährt wird, oder führen zu dem
Risiko,
sich demnächst in eine Konkursforderungstabelle beim Amtsgericht
des
Kunden eintragen zu können, weil der Kunde ohnehin schon
zahlungsunfähig
war. Es muß im Interesse des Kunden sein, daß er selbst
seine
Zahlungsfähigkeit sicherstellen kann. Der Kunde kann und sollte
mit
allen Leistungen umworben werden, nur nicht mit dem Zugeständnis,
nicht leistungsgerecht bezahlen zu müssen. Bei internationalem
Geschäft
ist zusätzlich zu kalkulieren, dass es in manchen Ländern
üblich
ist, die letzte Rate oder den Garantieeinbehalt nicht mehr zu bezahlen.
Managementfehler;
Angst des Vertriebs vor dem Kunden, Unerfahrenheit, schlecht
organisierte
Fakturierung, schlampige Buchhaltung, schlechtes Mahnwesen
Passivseite der Bilanz
- Unterkapitalisierung des Unternehmens mit
Eigenkapital:
Eigenkapital soll zwar in der Regel eine höhere Verzinsung
erreichen
als Fremdkapital, so daß bei immer gut laufendem Geschäft
der
Eigenkapitalanteil sehr gering gehalten werden könnte, jedoch hat
es vor allem auch einen Sicherungseffekt zur Abfederung von
Schwankungen
und um das Geschäft gegenüber Fremdkapitalgebern
glaubwürdig
darstellen zu können. Ein Anteilseigner, der nur wenig
Eigenkapital
bereitstellt, hat offenbar selbst kein Vertrauen in seine Gesellschaft.
Warum sollte dann ein Fremdkapitalgeber Vertrauen haben? Gesellschafterfehler
- Die GUV ist Teil des Eigenkapitalkontos und
ist
der
häufigste Verursacher für ein Ungleichgewicht der Bilanz.
Entsprechend
ausgiebig wird weiter unten noch hierauf eingegangen.
- Rückstellungen haben Reservecharakter,
sind
jedoch
häufig das Ergebnis von gewollten oder ungewollten Belastungen der
Vergangenheit. Wer Pensionsrückstellungen bilden will, um Steuern
zu sparen, sollte an die inzwischen gesetzlich zementierte
Verpflichtung
für die Zukunft denken. Diese gesetzliche Fesselung der
Unternehmen
ist die Ursache dafür, daß immer weniger Unternehmen noch
bereit
sind, betriebliche Altersversorgungen zu gewähren.
Kurzfristiges
Steuerspardenken im Management. Negative Einflußnahme des
Gesetzgebers.
Hohe Rückstellungen für
Auftragsverluste
weisen auf kritische Schwächen des Vertriebs hin, da die
Aufträge
entweder schlecht kalkuliert waren oder der Kunde den Verkäufer
durch
harte Preisverhandlungen zu zu hohen Preiszugeständnissen
verleitet
hat. War der Preis jedoch ein Preis, zu dem andere Wettbewerber
ständig
anbieten, stimmt die interne Basis für die Kalkulation nicht mehr.
Die betriebliche Organisation muß überprüft werden. Vertriebsschwäche,
Kostenstruktur des Unternehmens, Schwäche in der Auftragsabwicklung
- Kreditsituation: Wie sind die Kredite
abgesichert? Hat
das Management noch Einfluß auf die Absicherung oder ist das
Unternehmen
in Abhängigkeit von externen nicht mehr beeinflußbaren
Faktoren
(bspw. Konzernbürgschaften)? Werden die Kreditkosten durch die
Aufträge
noch verdient oder wird mit Krediten womöglich eine
Verlustfinanzierung
betrieben? Das in Anspruch genommene Kreditvolumen muß zur
Finanzierung
des Mehrwert schaffenden Umsatzprozesses dienen, ob als
Investitionskredit
oder als Betriebsmittelkredit, nicht etwa zur Stopfung von
Verlustlöchern
oder zur Finanzierung schöner aber unproduktiver
Vorzeigeinvestitionen. Langfristige
Managementfehler beim Grad der Verschuldung
- Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen: Diese
Position wird häufig als billiger Kreditersatz benutzt. Findet man
eine solche Situation vor, weist das auf Schwächen hin. Die
Position
darf nie größer sein als der durchschnittliche Material- und
Dienstleistungsverbrauch von maximal 2 Monaten. Wenn diese
Größe
überschritten wird, spielt das Unternehmen mit seiner
Kreditwürdigkeit
oder hat Liquiditätsprobleme. Ausnahmesituationen, die bei
Anlagenbauern
durch Großlieferungen vorübergehend eintreten können,
sind
auszuklammern. Es muß sich allerdings tatsächlich um eine
Ausnahmesituation
handeln. Krisenindikator.
- Sonstige Verbindlichkeiten: Hier ist zu
untersuchen,
was im einzelnen dahintersteht. Sehr häufig sind hier wie auch in
den sonstigen Forderungen schwer durchschaubare Positionen verborgen,
die
sich später als "Leichen im Keller" herausstellen. Die Bilanz
sieht
ausgeglichen aus, obgleich sie bereits das Gleichgewicht verloren hat.
In den sonstigen Forderungen werden in Krisenunternehmen zu hohe
Bewertungen,
in den sonstigen Verbindlichkeiten zu niedrige Bewertungen verborgen. Bilanz"gestaltung"
durch das Management.
Gewinn- und Verlustrechnung
- Die Gewinn- und Verlustrechnung als Ergebnis
des
Geschäftsprozesses
ist Teil des Eigenkapitalkontos und beeinflußt damit ebenfalls
das
Gleichgewicht der Bilanz. Da sie aber das eigentliche Geschäft
widerspiegelt,
ist sie von höherem Interesse als die Vermögenssituation.
- Bei noch positivem Ergebnis: Woher kommen
die
Gewinne?
Kommen Sie aus dem eigentlichen Geschäft oder aus
außerordentlichen
oder sonstigen Erträgen oder sogar nur aus dem Finanzergebnis?
- Bei negativem Ergebnis: Was sind die
Ursachen
für
den Verlust?
- Umsatz: Es ist auf die mittelfristige
Umsatzentwicklung
zu achten? Gibt es bei Wachstum evtl. Probleme mit der
Umsatzfinanzierung?
Was sind die Gründe für evtl. gesunkenen Umsatz? Seit wann
sinken
schon die Umsätze? Gibt es saisonale Schwankungen? Bei
Großanlagenbauern
ist statt des Umsatzes die Gesamtleistung, also einschließlich
Bestandsveränderungen,
zu betrachten, da abrechnungsbedingte Schwankungen auftreten
können.
Die Untersuchung der Ursachen für Umsatzrückgänge oder
sogar
-einbrüche muß den breitesten Raum einnehmen. Untersuchung
der
Produktpalette, Produktentwicklungen, Einflüsse von Wettbewerbern,
Reaktionen auf Kundenwünsche, gibt es eigene Ideen für neue
Produkte;
evtl. Schlüsselkunden aufsuchen und befragen. Was kann das
Unternehmen
besonders gut und wo ist es nur genauso gut wie oder sogar schlechter
als
der Wettbewerb? Besetzt das Unternehmen eine Marktnische oder fristet
es
nur ein Schattendasein in einer solchen vermeintlichen Nische?
- Wieviel Gesamtleistung/Mitarbeiter wird
erreicht? Der
Wert ist bei Fertigungsunternehmen niedriger als bei Unternehmen ohne
eigene
Fertigung. Wie hoch ist die Unternehmenswertschöpfung/MItarbeiter?
- Ist der Material- und Leistungseinsatz
angemessen? Hierbei
ist zu berücksichtigen, ob das Unternehmen mit eigener Fertigung
arbeitet
oder die Fertigung fremd bezieht (Grad der eigenen
Wertschöpfungstiefe).
Gibt es in der GuV Verschiebungen zwischen bezogenen Leistungen und
sonstigen
Aufwendungen, die das Bild vom Materialeinsatz verfälschen?
- Werden die Kosten der eigenen Organisation
und
Wertschöpfung
durch die Produktpreise gedeckt? Werden neben Personalkosten,
Materialkosten
und sonstigen Aufwendungen auch die Abschreibungen und die
Finanzierungskosten
durch die Produktkalkulation und die erzielten Preise gedeckt?
- Wie sind die Relationen der einzelnen
Aufwandspositionen
zur Gesamtleistung bzw. zum Umsatz? Gibt es dabei Ausreißer?
Um die Bilanz und GuV zu analysieren und Schieflagen
zu erkennen, wird u.a. auch mit einer automatischen Bilanzanalyse
gearbeitet.
Sie kann zwar auch nicht unkommentiert verwendet werden, macht jedoch
schnell
und wirkungsvoll die Überschreitung kritischer Grenzen sichtbar.
Mit dieser Vorgehensweise kann relativ schnell
festgestellt
weden, ob das Unternehmen sich in einer Krise befindet oder ob es sich
nur um eine vorübergehende Schieflage handelt, die mit wenigen
Einzelmaßnahmen
repariert werden kann.
Wer stellt die Krisensituation fest, wie macht
sie sich bemerkbar, wer gibt den Anstoß zur
Krisenbewältigung?
Selten kommt eine Krisensituation plötzlich
und überraschend. Meist hat das Management bereits seit
längerer
Zeit festgestellt, daß das Geschäft nicht mehr wie gewohnt
läuft.
In dem Unternehmen werden Führungskräftesitzungen angesetzt,
die Mitarbeiter werden unsicher und fangen an, über das
Unternehmen
eine Witzkultur zu entwickeln. Hierbei handelt es sich um eine
verdeckte
Beschuldigung des Managements, nicht genügend Ideen für eine
Beseitigung der Krise zu haben oder falsche oder zu späte
Entscheidungen
zu treffen, andererseits will aber keiner als Miesmacher gelten, daher
entsteht als Ersatzventil der Unternehmenswitz. Eine Hochkultur in
dieser
Hinsicht feierte die DDR vor ihrem Niedergang.
Unternehmensabkürzungen
werden zu kreativen, aber meist negativen Wortspielen mißbraucht
(Bsp.: AEG oder das TOP-Programm von Siemens). In dieser Situation
nützen
keine Appelle des Managements an den gesunden Menschenverstand der
Mitarbeiter
oder ähnliche Botschaften. Sie zeigen nur die Hilflosigkeit des
Managements
in dieser Situation. Je länger die dauert, desto schwieriger wird
es für das Management, die Mannschaft herumzureißen.
In dieser Situation helfen nur zwei
Möglichkeiten:
Entweder dem Management gelingt ein
überzeugender
Erfolgsbeweis, bspw. die Hereinnahme eines spektakulären
Auftrages,
der schlagartig die Verbreiter von Unternehmenswitzen verstummen
läßt,
oder es wird ein externer Krisenmanager hinzugezogen, der nur die
Aufgabe
bekommt, das Unternehmen herumzureißen.
In der Regel kommt der Anstoß zur
Einsetzung
eines externen Krisenmanagers von außen. Banken,
Wirtschaftsprüfer
oder vielleicht auch schon ein Gesellschafter sind aus ihren
spezifischen
Sorgen heraus diejenigen, die in einem ersten Schritt tätig
werden.
Selten kommt der Anstoß vom Management selbst, da das für
die
bestehende Führung einer Kapitulation gleichkommt. Ein Management,
das eingesteht, daß es mit seinem Latein am Ende ist und dann
auch
noch die Initiative ergreift und einen externen und fremden
Krisenmanager
engagiert, dürfte die seltene Ausnahme sein.
Wer auch immer den Auftrag erteilt, muß den
festen Willen haben, die bestehende Krise bewältigen und
beseitigen
zu wollen. Der beauftragte Krisenmanager muß die volle
Unterstützung
der Gesellschaft und ihrer Organe bekommen, da sonst zu viel Energie
damit
verbraucht wird, immer wieder neue Überzeugungsarbeit
gegenüber
den Auftraggebern zu leisten, statt das Unternehmen zu sanieren. Je
früher
er anfangen kann, desto früher kann sich der Erfolg einstellen.
Bei
der Hereinnahme von externen Krisenmanagern ist jedoch eine
sorgfältige
Auswahl erforderlich. Hat der externe Manager Erfolge vorzuweisen? Hat
er den festen Willen, das Unternehmen vorübergehend selbst
führen
zu wollen? Auf Aufsatzschreiber und Ratgeber, die nicht selber das
Management
übernehmen wollen, sollte verzichtet werden.
Was hat der Krisenmanager zu tun?
a.) Unternehmensanalyse und Feststellung der
Krisenpunkte
Auch wenn man es schon kaum noch hören mag,
vorab muß der Krisenmanager sich ein Bild von der
Unternehmenssituation
verschaffen. Ein erfahrener Kaufmann sollte diese Unternehmensanalyse
in
wenigen Tagen erreichen und die wesentlichen Krisenpunkte auflisten.
Hierbei
werden durchaus bereits erstellte Gutachten oder WP-Berichte
hinzugezogen,
aber auch separate Gespräche mit der bisherigen
Geschäftsführung,
dem Betriebsrat und einzelnen Führungskräften. Der
Krisenmanager
sollte sich auch die Zeit nehmen, mit den notorischen Nörglern im
Unternehmen zu sprechen, um die Ursachen für deren Unzufriedenheit
herauszufinden und die Nörgler zum Schweigen zu bringen. Wichtig
ist,
daß das Bild am Ende der tatsächlich vorgefundenen Situation
auch entspricht.
Vorgehensweise im einzelnen:
intern
- Bilanzen, GuV, WP-Berichte der letzten zwei
Jahre aushändigen
lassen und Schnellanalyse durchführen; gibt es gravierende
Schwächen
in der Struktur der Bilanz?
- BAB und Kalkulationsgrundlagen
übergeben
lassen
- Prüfung, ob die Kalkulation des
Unternehmens die
Deckung aller Kosten beinhaltet?
- Gespräch mit dem Vertrieb, wie die
Kalkulationsgrundlage
bisher angewandt wurde; ggfs sofortige Korrektur vornehmen; den
Vertrieb
daraufhin überprüfen, ob er den Unterschied zwischen Gewinn
und
positivem Deckungsbeitrag kennt; ist evtl. in der Vergangenheit nur
noch
mit positiven Deckungsbeiträgen verkauft worden, bei
Vollkostenrechnung
jedoch immer mit Verlust? Wo sieht der Vertrieb die Ursachen für
Umsatzrückgänge?
Kam der Umsatzrückgang über die Preisgestaltung oder
über
das Absatzvolumen? Gab es gravierende Produktschwächen
(Qualität,
Liefertermin oder andere?)
- Wer ist für die Produktentwicklung
verantwortlich?
Gespräch mit dem Verantwortlichen; welche Ideen für neue
Produkte
hat es in der Vergangenheit gegeben; ist davon etwas umgesetzt worden?
Welche Vorlaufzeit bis zur Markteinführung eines Produktes ist
erforderlich?
Hängt das Unternehmen mit seinem Produktportfolio noch in alten
Techniken
fest?
- Gespräch mit dem Betriebsrat: Welche
Schwächen
in dem Unternehmen sieht die Arbeitnehmerseite; ist die vorgebrachte
Kritik
sachlich oder emotional; gibt es Seilschaften im Unternehmen, die zu
Störungen
im Arbeitsablauf führen?
- Gespräch mit dem Verantwortlichen
für
Buchhaltung
und Rechnungswesen über Höhe der Außenstände;
funktioniert
die Mahnbuchhaltung; werden überfällige
Außenstände
konsequent eingetrieben? Wenn nein, sofortiges Eintreiben der
Außenstände?
Versteht sich die Abteilung Rechnungswesen als Dienstleister für
die
anderen Abteilungen oder beschäftigt sie sich nur mit sich selbst
und den Wirtschaftsprüfern? Werden regelmäßig
SOLL-IST-Vergleiche
durchgeführt und werden die Verantwortlichen hiervon auch in
Kenntnis
gesetzt? Müssen die Verantwortlichen Stellung beziehen?
extern
- Gespräch mit den involvierten Banken
über
die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen in der Vergangenheit; welche
Zielsetzungen
haben die Banken; kann die "Rette sich wer kann" - Parole noch
abgewandt
werden?
- Gespräch mit Vertretern der Kommune
oder
sogar
des Landes über mögliche Hilfsmaßnahmen; besteht die
Bereitschaft,
sich in dem Unternehmen vorübergehend zu engagieren?
- Gespräch mit den Vertretern der
Gewerkschaft zusammen
mit dem Betriebsrat, um den Boden für kostensenkende
Maßnahmen
vorzubereiten.
b.) Beseitigung der Krisenpunkte und
Wiederherstellung
des Unternehmensgleichgewichts.
- Vorab muß sich der Krisenmanager klar
machen,
ob eine Sanierung ohne Konkurs des Unternehmens möglich ist. Wenn
ja, kann der drohende Konkurs vorsichtig als Motivator benutzt werden,
wenn nein, sind die Gruppen positiv auf die Zeit danach einzustimmen.
Im
folgenden wird von einer Sanierung ohne Konkurs ausgegangen.
- Die Krisenpunkte sind anschließend
hinsichtlich
Ihrer Bedeutung zu gewichten und die vorerst drei wichtigsten Punkte
festzulegen.
Diese drei Punkte sind abzuarbeiten. Wichtig ist, daß
möglichst
in einem Punkt ein schneller vorzeigbarer Erfolg erzielt wird.
- Es sind die Interessengruppen zu definieren,
die
an
der Beseitigung der Unternehmenskrise ein Interesse haben müssen.
- Zielsetzung: Abbau des Ungleichgewichts
durch
Verzicht
der Interessengruppen im Gleichschritt. Es verzichtet sich leichter,
wenn
man weiß, daß andere auch verzichten müssen. Wichtig
ist,
daß alle Interessengruppen etwas hergeben müssen.
- Die Höhe des Verzichtumfangs wird
bestimmt
durch
den Schaden für die einzelne Interessengruppe, der bei
Beibehaltung
des Ungleichgewichts entstehen würde, einerseits und die objektive
Machbarkeit des Verzichts für die einzelne Interessengruppe
andererseits.
Wenn die Beibehaltung der Krisensituation objektiv besser für den
einzelnen ist als der Zustand nach Verzicht, kann man ihn kaum zu dem
Verzicht
bewegen. Bsp.: Für den einzelnen Mitarbeiter ist ein
Gehaltsverzicht
nur maximal bis zum Grad der Höhe des Arbeitslosengeldbezuges
denkbar.
Darüberhinaus wird es uninteressant für ihn. In der
Realität
liegt der Aussteigepunkt für ihn sogar noch höher, da er
miteinbezieht,
daß er ohne Arbeitsplatzsicherung nach einem Gehaltsverzicht und
einer später dennoch einsetzenden Arbeitslosigkeit eine niedrigere
Arbeitlosenbgeldbezugsbasis hat als vorher.
- Bei der Definition der Anreizpunkte, warum
der
Weg des
Verzichtens gegangen werden soll, spielen nur Faktoren eine Rolle, die
die Zukunft betreffen. Vergangenheit und möglicherweise Appelle an
die Dankbarkeit sind keine Motivatoren, sondern haben allenfalls einen
positiven Erinnerungswert.
- Mit jeder Gruppe muß wie auf einem
Basar
gehandelt
werden. Es muß also zu Beginn ein höherer Einstiegswert auf
den Tisch gelegt werden, um sich herunterhandeln lassen zu können.
Jede Verhandlungspartei muß das Gefühl haben, wenigstens
einen
kleinen Erfolg erreicht zu haben. Das Optimum ist erreicht, wenn nach
der
Verhandlung genau der Gleichgewichtszustand erreicht wurde.
Sind diese notwendigen Verhandlungen erfolgt,
muß
der Krisenmanager, ggfs. auch gegen den Widerstand von innen und
außen,
erste Entscheidungen durchsetzen. Es muß ein schneller erster
Erfolg
erzielt werden. Auf der Welle dieses ersten Erfolges können die
evtl.
schwierigeren Punkte angegangen und mit der gleichen
Hartnäckigkeit
durchgesetzt werden. Die Mannschaft darf gar nicht mehr zum Luftholen
kommen,
das bisherige Management wird nur noch mitgerissen. Wer allerdings
nicht
mitzieht, muß das Unternehmen verlassen oder mit einer Aufgabe
festgesetzt
werden, die ihn hindert, den Sanierungsprozeß zu stören. Das
gilt für eine Führungskraft genauso wie für einen
einzelnen
Mitarbeiter.
Nachdem dieser erste Erfolg erreicht wurde, geht
es darum, evtl. aufgetretene Wunden zu lindern. Management, Betriebsrat
und Mannschaft aber auch die anderen Interessengruppen wie
Kreditinstitute,
ggfs öffentliche Hand, Lieferanten und Schlüsselkunden
müssen
motiviert werden, weiter mitzumachen. Dabei muß zwischendurch
immer
wieder ein größerer oder kleinerer Erfolg sichtbar werden,
um
die Richtigkeit der Vorgehensweise zu untermauern. Hierüber
muß
intern und extern berichtet werden. Das Bild in der Öffentlichkeit
muß positiv dargestellt werden. Die lokale Presse ist aktiv zu
unterrichten,
nicht erst als Reaktion auf die öffentlich werdende
Gerüchteküche.
Hierbei ist unbedingt folgende Reihenfolge
einzuhalten:
- Management ) müssen ihre
- Betriebsrat ) Information
- Führungskräfte ) intern und
- Mitarbeiter ) direkt erhalten
- Presse -------------------------------
- Kreditinstitute ) können erste
- Kunden ) Informationen
- Lieferanten ) auch aus der Presse
- Kommune ) erhalten haben
Entwickeln einer nachhaltigen
Unternehmensstrategie
Nachdem der Krisenmanager den kurzfristigen
Erfolg
des Herumreißens erzielt hat, gilt es, ein nachhaltiges
Unternehmenskonzept
zu erarbeiten, mit dem auch mittelfristig das Unternehmen erfolgreich
sein
kann. Hierfür sind interne und externe Faktoren zu definieren, mit
denen aus Marktchancen Markterfolge werden können. Die notwendigen
Ressourcen und finanziellen Mittel sind zu definieren, und das Konzept
ist in ein zeitliches Raster für die Umsetzung zu stellen. Zur
Untermauerung
ist eine mittelfristige Finanzplanung für mindestens 3 Jahre zu
erstellen.
Hierfür sind drei Jahresergebnisrechnungen, drei Bilanzen und drei
Finanzpläne zu definieren und aufeinander abzustimmen. Die
Kreditgeber
müssen von der Machbarkeit überzeugt werden und dazu
eingestimmt
werden, noch einmal frisches Geld in das Unternehmen zu geben. Damit
die
Glaubwürdigkeit des Neuanfangs den Eigentümern und
Kreditgebern
vermittelt werden kann, sollte der Krisenmanager zumindest den Start
der
Neukonzeption noch initiieren und begleiten.
Spätestens jetzt ist jedoch das Management,
ob alt oder neu, wieder als solches einzusetzen. Es soll später
hinter
den neuen Maßnahmen stehen und sie zum Erfolg führen. Der
Krisenmanager
zieht sich zurück und beendet seine Aufgabe.
dbm
Dirk Brauckmann
Diplomkaufmann
Management und Sanierung
Interessante Links, allerdings aus der Schweiz
mit dem Hintergund des Schweizer Rechts:
http://www.alisys.ch/chklst/chksan,htm
http://www.cybertex.ch/Consulting/ManagementKrise/default.htm
Weitere Informationen zum Thema
Krisenmanagement
finden Sie auch unter
http://www.gruenderlinx.de/krisenmanagement.html
Literaturempfehlung
mit vielen Hinweisen zur Sanierung und Restrukturierung:
Prof. Dr. Harald Ehlers: Basel II/Rating: Die Hausaufgabe
für Mittelstandsunternehmer und ihre Berater
Impressum:
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